Von Oliver Kraaz
Es gibt einen Fussballgott – und er hat grünweiss gestreifte Unterhosen. Das heisst nun nicht, dass wir nur dank himmlischer Unterstützung wieder in der Challenge League sind. Nein, der Fussballgott freut sich vielmehr, dass im Irrsinn des modernen Fussballs Kriens als Klassiker nicht totzukriegen ist. Die Gallier sind wieder da.
Wer im sympathischen, aber kochend heissen Wylerpark das 2:0 gegen YB U21 erleben durfte, weiss nun, was authentischer Fussball zum Anfassen heisst. Eine Mannschaft, die für die Fans spielt und Fans, die sich für die Mannschaft auch im fortgeschrittenen Teenageralter von 50+ die Kehle heisser schreien. Viele darunter wie ich, die schon einiges erlebt haben.
Der Aufstieg ist ein Aufstieg von allen, die an diesem Abend in Bern dabei waren bzw. am Abend im Kleinfeld feierten. Dass ich wieder dabei war, hat mich auf der Heimfahrt im Auto schwer berührt. Als die Sonne blutrot allmählich unterging und Supertramp im Radio ertönte, spürte ich gar einen Kloss im Hals. So lange begleitet mich der Verein bereits in diesem Leben. Das macht glücklich, solche Momente. Klar, wie in jeder grossen Liebe hat mir der Verein auch schon gehörig den Nerv ausgerissen – und dann steigst du wieder auf. Das sind die Momente für alles und immer.
Mitten in der jubelnden Menschenmenge und all den Umarmungen merkte ich, wie viele Menschen wie ich seit Jahren mit dem Verein unterwegs sind. Wie man nicht nur einen Verein, sondern ein Leben teilt. Auf eine einzigartige Art und Weise.
Träume sind voller Symbole: Zähne, die ausfallen, im Traum sich nackt fühlen, ein endloser Fall in die Tiefe – alles lässt sich psychologisch deuten. Einer meiner häufigen Träume ist der: Ich bin auf dem Weg zu einem Spiel des SC Kriens und merke: Ich schaffe es nicht auf den Anpfiff. Die Zeit läuft davon. Ich kann tun und machen, was ich will. Ich rotiere – und erwache …
Erzählt habe ich diesen Traum noch keinem Therapeuten. Obwohl ich doch schon einige getroffen haben (so, jetzt ist es raus). Nur wurde dieser Traum heute Realität: Ich wollte das Aufstiegsspiel richtig inhalieren, jede Minute, vor und nach dem Spiel. Doch ab Solothurn ging es auf der Autobahn so langsam vorwärts ein Trauerumzug vor einem bayrischen Kloster. Ich wurde immer hysterischer.
Dann das WhatsApp: Wegen Stau 15 Minuten später Anpfiff – die Rettung! Rein ins Wankdorf-Parkhaus, bei gefühlten 59 Grad in den Wyler-Park gestolpert. Und dann das reine Glück!
Ich bin überzeugt: Das WhatsApp kam eigentlich vom Fussballgott. Denn er baut auf uns. Dank uns glaubt er noch an den Fussball. Weil er uns alle liebt. Er wird uns auch nächstes Jahr nicht verlassen. Jetzt freut er sich sogar wieder an der Challenge League. Was die neue Saison bringen wird? Spielt es (jetzt) eine Rolle? Alles wird gut.
Danke euch allen. Wir sehen uns am Samstag im Kleinfeld zur letzten Ballnacht dieser Saison. Und freut euch des Lebens.

