Wir drehen eine komplett verrückte Partie in den letzten 15 Minuten. Schon der Start in dieses Spiel gegen Grand-Saconnex, seit vier Spielen ungeschlagen und deshalb mitnichten eine «Pflichtaufgabe», war merkwürdig. Anspiel, Ale schlägt den Ball nach vorne und verletzt sich dabei am Oberschenkel. Auswechslung nach 30 Sekunden – nach Lorin, Enea und Juli nun die nächste Absenz in der Defensive.
Manu gab sein Comeback (nicht das einzige am heutigen Nachmittag) nach vier Monaten ohne Spielpraxis. Zusammen mit Timo, er kam für Ale, bildete er ein Innenverteidiger-Duo, das so überhaupt noch nie zusammen spielte.
Nun denn, wir hatten unsere liebe Mühe damit ins Spiel zu kommen. Grand-Saconnex war wie erwartet technisch gut, suchte spielerische Lösungen und lief mit viel Tempo in der Offensive. Nach einer Viertelstunde legte sich Liga-Topskorer Matteo Regillo in unserem Strafraum auf den Bauch, der Schiedsrichter pfiff und Regillo buchte vom Punkt die Führung fürs Heimteam.
Nicht unverdient. Grand-Saconnex war gefährlicher. Wir suchten die Kontrolle, suchten die spielerischen Lösungen – waren aber oft zu ungenau, hatten zu wenig Durchsetzungskraft. Es harzte.

Das Spiel war aber jederzeit umkämpft. Wir hielten dagegen. Das Engagement stimmte. Die Deutungshoheit fiel mal auf die eine, dann wieder auf die andere Seite. Für mehr Konstanz fehlte die Präzision auf beiden Seiten.
Nando traf den Pfosten, es war eine unserer wenigen gelungenen Offensivaktionen in der ersten Halbzeit. Auf der anderen Seite spielten sich die Genfer immer mal wieder durch, nicht im Minutentakt, aber ihre Angriffe bargen konstantes Gefahrenpotenzial. Oft ausgehend von Yannis Sghaier und Matteo Regillo.
Ersterer tankte sich nach einer halben Stunde durch unsere Abwehr, flankte und Hajoubi musste am zweiten Pfosten, relativ freistehend, nur noch einnicken. Die Zwei-Tore-Hypothek war Tatsache.
Mike Winsauer reagierte in der Pause. Er stellte auf ein 4-4-2 um und setzte Céli neben Nando in die Sturmspitze.
Nando profitierte nach einer Stunde von einem Fehler in der Abwehr des Heimteams – oder anders gesagt: Er stand goldrichtig und musste den Ball nur noch im leeren Tor versorgen.
Wir waren wieder dran. Aber Minuten später auch wieder weit weg. Grand-Saconnex nutzte den Raum nach einem Fehler im Mittelfeld und dem daraus resultierenden Umschaltmoment und traf zum 3:1. Etwas mehr als eine Stunde war gespielt und die Messe eigentlich gelesen.

Aber wir steckten nicht auf. Machten einfach weiter. Suchten die Offensive, blieben in den Zweikämpfen und im Spiel – und wurden mit den spektakulärsten 15 Minuten der jüngsten Vereinsgeschichte belohnt. Historisch war zuerst die Einwechslung von Leonardo Gubinelli, der 15 Minuten vor Schluss für den entkräfteten Manu Fäh in die Partie kam, nach einer Verletzungspause von 18 Monaten. Schön.
Wir drückten zusehends, waren spielbestimmend und nun auch torgefährlich. Gubi traf um ein Haar bei seinem Comeback, Lyoth konnte mirakulös abwehren. Der Ball wurde ungenügend befreit und kam via Fla zurück zu Céli, der ihn kompromisslos ins lange Eck wuchtete. 80 Minute. 3:2.
Zwei Minuten später eroberten wir den Ball in der eigenen Platzhälfte. Von Riedi zu Céli – und der schickte Esey auf die Reise, welcher nach einem 40-Meter-Sprint die Kugel cool ins Eck schob. 82 Minute. 3:3.
Dass die Gastgeber danach noch einen Lattentreffer zu verzeichnen hatten, schenken wir uns – und zeigen stattdessen viel lieber unser Siegestor. Entstanden wieder aus der Kombination zwischen Esey und Céli. Viel Herz, viel Kampf, viel Leidensbereitschaft. Toller, wichtiger Sieg. 95. Minute 3:4:
(Bilder: REGIOfussball.ch)
FC Grand-Saconnex vs. SC Kriens 3:4 (2:0)
Stade du Blanché 200 Zuschauerinnen und Zuschauer
Tore: 16′ Regillo 1:0 (Pen.), 27′ Hajoubi 2:0, 59′ Toggenburger 2:1, 64′ Sghaier 3:1, 80′ Wicht 3:2, 82′ Gebreyesus 3:3, 95′ Wicht 3:4
SC Kriens: Zajac, Riedmann, Fäh (75′ Gubinelli), Willimann (1′ Harperink), Touré, Romano (46′ Wicht), François, Hoxha, Siegrist (65′ Caserta), Facal (65′ Gebreyesus), Toggenburger
Grand-Saconnex: Lyoth, Perracino, Matos, Zuka (84′ Mbaki), Matuvunu (84′ Mensah), Hajoubi, Gonçalves (46′ Cruz), Borges, Rahimi, Regillo, Sghaier (75′ Pagliuca)
Bemerkungen: SC Kriens ohne Aversa, Jetzer, Heiniger, Hermann (alle verletzt), Sliskovic (gesperrt).

