Von Oliver Kraaz
Es lag ein Abschied in der Luft, als beim Stand von 0:4 die 92. Minute lief. Die Sonne ging langsam unter. Es fehlte nur noch, dass John Wayne in den Sonnenuntergang reiten würde.
Ein Gefühl von Abschied vom Heerenschürli. Diese seltsame Anlage, die mit ihren Gittern an den Sportplatz in einem Hochsicherheitsgefängnis erinnert. Jedoch forsch für den Eintritt 15 Franken verlangt. Für was auch immer. Ein Stadion muss bezahlt werden. Personal auch. Aber hier? Kosten U21-Spiele so viel?
Es passt dazu, dass man zum Parkieren entscheiden muss, ob man in einem Migros- oder in einen Aldi-Parkhaus parkieren will, weil es vielleicht 30 Parkplätze auf 13 Fussballplätze gibt. Es passt dazu, dass das «Let’s get ready to rumble» als Einmarsch-Schlachtruf aus dem Kleinfeld gestohlen ist. Dass der Platz Speaker klingt, als ob er auf einem Fisher-Price-Kindermikrofon spricht. Dass eine Bratwurst 8 Franken kostet (ohne weisses Tischtuch und Salat).
Das Tragische: Diese Anlage ist das zweitgrösste Stadion der Stadt Zürich – hinter dem Letzigrund. Das haben der Fussball und die Fussballfans der Stadt Zürich nicht verdient. Ich darf dies sagen, da ich seit 1994 in der Stadt Zürich wohne und die Stadt gegen 100 Vorurteile und Vorwürfe verteidigen würde. Nicht aber gegen den Vorwurf, dass das Heerenschürli keine würdige Promotion-League-Kulisse bietet.
Gut war eine hübsche Delegation an Kriens-Fans vor Ort. Das besänftigte die geschundene Fussballfan-Seele. Schwierig zu sagen, wie viele Fans es genau waren. Grob gesagt würde ich auf 10’000 Fans tippen, aber vielleicht ist dies ungenau. Wohl weniger. Aber sie machten diese trübe Szenerie an der Stadtgrenze wenigstens zu einem heiteren Anlass. Alt-Ober-SCK-Supporter Nicolas Schudel als Vorsänger bewies immer noch eines der besten Stimmorgane der Schweizerfanszene.

Mit 4:0 war es am Schluss eine erfolgreich absolvierte Auswärtsmission. Noch befreiender war die Heimfahrt. Die Aussicht auf das nächste Heimspiel, in einem echten Stadion, mit Fans, macht Lust. Mehr denn je nach so einem Spiel.
Danke der Mannschaft. Danke allen Krienser im grünen Laufgitter. Bis nächste Woche.
Zum Spiel
Die Partie brauchte einige Minuten, bis sie Fahrt aufnahm. Marco Rüedi sorgte mit seinem Schuss nach 10 Minuten erstmals für etwas Torgefahr. Auf der anderen Seite brauchte es zwei, dreimal die Reflexe von Patrick Zajac. Beide Teams suchten spielerische Lösungen, warteten auf Umschaltmomente.
Der FCZ-Nachwuchs brachte mit Jill Stiel und Nevio Di Giusto zwei Nachwuchstalente mit (etwas) Super-League-Erfahrung auf den Platz (genauso wie Neil Volken und Isaiah Okafor), die im Mittelfeld immer wieder die Spielgestaltung übernahmen. Dementsprechend wichtig war es für uns, die defensive Ordnung zu bewahren, kompakt zu stehen und keine Räume offen zu lassen für das spielstarke Heimteam.

Und das gelang uns über 95 Minuten ziemlich gut – zum ersten Mal in dieser Rückrunde mit Manu und Enea in der Innenverteidigung. Defensiv agierten wir während der gesamten Spielzeit weitestgehend sehr abgeklärt und standhaft.
In der Offensive war es Nando, der zuerst von einem Abspielfehler in der FCZ-Abwehr profitierte und einige Minuten später einen wunderbar gespielten Freistoss von Rrezi nur noch über die Linie drücken musste. Unsere Pausenführung ging in Ordnung, das Engagement und die Effizienz passten – allerdings agierte der FCZ auf Augenhöhe und war mitnichten das schlechtere Team.

Als sich dann FCZ-Captain Ivan Kovacevic kurz nach dem Seitenwechsel zu einer Tätlichkeit hinreissen liess, verschoben sich die Spielverhältnisse deutlich auf unsere Seite. Aber wir wussten damit viel zu lange nicht wirklich etwas anzufangen, agierten zwischen der 50. und 75. Minute zu fahrig und ungenau – standen in der Defensive aber zum Glück weiterhin sicher und sattelfest.
Die letzten 10, 15 Spielminuten brachten dann die nötige Konsequenz in unser Offensivspiel zurück. Zuerst luchste Céli einem FCZ-Verteidiger den Ball ab und traf souverän zum 0:3. Minuten später legte Esey den Ball zu Jorge, der aus 16 Metern abzog und Morozov zum 0:4 bezwang.
Weiter geht es am kommenden Samstag im Kleinfeld. Zu Gast ist dann der FC Bulle. Anpfiff: 17:30 Uhr.
(Bilder. Daniel Gehrig)
FC Zürich U21 vs. SC Kriens 0:4 (0:2)
Heerenschürli 250 Zuschauerinnen und Zuschauer
Tore: 32’ Toggenburger 0:1, 39’ Toggenburger 0:2, 88’ Wicht 0:3, 90’ Facal 0:4
SC Kriens: Zajac, Touré, Heiniger, Fäh, Hermann (50’ Riedmann), François, Rüedi (70’ Willimann), Gebreyesus, Hoxha (80’ Romano), Siegrist (70’ Facal), Toggenburger (80’ Wicht)
FC Zürich U21: Morozov, Lichtenstein, Kovacevic, Kamoko, Volken, Okafor (58’ Lebrino), Grando (46’ Stork), Stiel, Di Giusto, Trivellin (58’ Blake), Greco (58’ Ramic)
Bemerkungen: SC Kriens ohne Jetzer, Harperink, Aversa (beide verletzt), Sliskovic (abwesend), Mauch, Caserta und Sefer (nicht im Aufgebot). 48’ rote Karte Kovacevic (FC Zürich U21 – Tätlichkeit). 50’ Hermann (SC Kriens) verletzt ausgewechselt.

