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Garderobenpredigt: Arbeitslose Trainer lesen  «Glückspost» in der Beiz – SC Kriens

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Garderobenpredigt: Arbeitslose Trainer lesen  «Glückspost» in der Beiz

Von Oliver Kraaz

Unser Trainer Mike Winsauer drückte diese Woche die Schulbank. Die Uefa-Pro-Ausbildung. Für Menschen, die anständig einem Beruf nachgehen, also nicht bei der Uefa oder FIFA arbeiten: Die Uefa-Pro-Ausbildung ist die höchste Trainerlizenz im europäischen Fussball. So etwas wie der Doktor-Abschluss für Fussball-Trainer. Darum gibt es heute im Profifussball nur noch schlaue Trainer.  

Ohne dieses Uefa-Pro-Diplom darf man in der Swiss Football League heute fast gar nichts mehr machen, ausser gelbe Plastikhütchen aufstellen und «los geht’s, Jungs» in der Garderobe rufen. Ohne Diplom kein Platz auf der Trainerbank. Natürlich gibt es Schlaumeier, die als Strohmann einen betagten Trainer auf die Bank setzen, der sonst arbeitslos daheim auf dem Sofa sitzt und seine Frau wahnsinnig macht. Meist schickt die Frau den Mann dann selbst zu einem Klub oder sucht was auf Ricardo. Oft gibt es auch noch ein ordentliches Sackgeld.

Nur: Meist fliegt der Schwindel dann auf, wenn der eigentliche Trainer ohne Diplom ein 1-3-4-7 spielen möchte, die Taktik mit 11 Spielern aber einfach nicht hinhaut. Oder sich die 5 Auswechslungen nicht merken kann.

Früher war dies mit dem Trainerschein auch in der Schweiz tatsächlich um einiges leichter. Damals, als die Schweiz die WM am Fernseher, in der Beiz oder gar nicht erlebte, weil die Beiz keinen Fernseher hatte. In dieser dunklen Zeit konnte altgediente Nati-Spieler am Schluss ihrer Karriere die 30 Länderspiele gegen ein Trainer-Diplom, ein lebenslanges «Glückspost»-Abo oder gegen eine Beiz (mit Fernseher) eintauschen.

Das Training unter solchen Trainern trug dann schon bizarre Früchte. So gab es eine Epoche, da durften Spieler beim Konditionstraining nichts trinken. Es gab diese krude Lehre, das Durst die Ausdauer zusätzlich stärke. Vielleicht liegt es daran, dass der Schweiz irgendwann die guten Spieler ausgingen. Tot wegen Verdursten hinter der Corner-Fahne.

Gut also gibt es heute die Uefa-Pro-Ausbildung. Mike Winsauer absolvierte diese Kurstage in Wien. Was doppelt schön ist: Mike stammt aus Österreich, wo Klubs wie Hersteller von mobilen Pissoirs oder von Rheumadecken heissen. Das geht am Fussball dann nicht spurlos vorbei.

Schön ist aber, dass Mike Winsauer fussballerisch mal wieder ins Ausland reisen kann. Mit dem SC Kriens hat sich der Reiseradius ja irgendwo zwischen Wil, Winterthur und Genf eingependelt. Da muss man keine Souvenirs heimbringen oder Postkarten schreiben.

Ach ja: Genf, Carouge. Neues Spiel am Freitag, 19.30 Uhr gegen Etoile Carouge. Fortsetzung nach dem immer noch berauschenden Fussballabend letzte Woche in Aarau. Können wir auch auf dem Kleinfeld. «Los gehts, Jungs».

… und auch Mike Winsauer ist pünktlich zurück. Am Flughafen hat er noch schnell die «Glückspost» gelesen. Hat ihm gefallen. Die Diplom-Ausbildung will er aber trotzdem fertig absolvieren.

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