Von Oliver Kraaz
Endlich Weihnachten. War das Eröffnungsspiel zur Challenge-League-Saison gegen Winterthur der Advent, so steht mit dem Auswärtsspiel in Aarau der höchste Feiertag an. Aarau, das ist einer der letzten Sehnsuchtsorte der Schweizer-Fussball-Fans.
Der Klub mit dem Brügglifeld, jener Fussball-Kessel, der wie AC/DC nicht geschmack- und seelenlos modern ist, sondern den Ur-Duft des Fussballs verströmt: Rasen. Holz. Schweiss. Mit Fans im Rücken, die mehr Leidensfähigkeit entwickelt haben als ein Fakir auf seinem Nagelbett am Schluss seiner 60-jährigen Laufbahn. Denn: Challenge League ist, wenn Aarau bis kurz vor Saisonende am Kopf der Tabelle steht und dann in der Barrage alles vergeigt.
Denn Aarau ist das Opfer eines Missverständnisses: Zu gut für die Challenge League. Zu schwach für die Super League. Nicht sportlich gesehen, sondern finanziell. Zu reich für unten, zu arm für oben. So hört man. Aarau steckt im Lift fest. Mit dünner Sauerstoff-Zufuhr…
Mancher Fussball-Fan denkt: Mein Gott, lasst die doch einfach hoch. Einfach weil Aarau guttut. Weil das dort Menschen tief bewegt. Weil da Fans vor Freude ganze Nächste durchheulen würden. Denn im Gegensatz zu Aarau gibt es in der Challenge League-Klubs, die niemanden berühren. Ausser deren Besitzer. Oft aber nicht einmal die.
Weihnachten. Reise ins Brügglifeld. Ins Herzen des Fussballs. Dort, wo 1993 gar der Meistertitel gefeiert wurde, mit einer Sensationstruppe unter Rolf Fringer. Für viele so lange her wie die Halbzeitpause beim Rütlischwur. Nur: Wo Fussball gelebt wird wie in Winterthur oder Aarau ist eine andere Zeitrechnung. Das Herz zählt, nicht die Uhr. Darum ist Aarau immer noch ein bisschen Meister.
Das Spiel in Aarau ist auch eine Erinnerung, wie sich Fussball anfühlen kann. Nämlich herrlich, durch alle Tiefen hindurch. Das geht heute immer mehr verloren, darum lohnt es sich zu kämpfen. Das haben wir mit dem FC Aarau gemeinsam: Auch wir wollen Fussball anders leben als der ganze Irrsinn, der auf dem Fussballmarkt abläuft und zunimmt. Nachzulesen im neuen «zwoelf», im Beitrag mit Nico Siegrist.
Im Grund genommen müsste am Samstag (18:00 Uhr) jeder von beiden 3 Punkte erhalten. Wer weiss, vielleicht klappt es. Ist ja immerhin Weihnachten.

