Von Oliver Kraaz
Die Schweizer Armee hat auch Ärger. Denn deren 51 Reitpferde kosten nun noch mehr im Unterhalt. Satte 1,3 Mio. Franken im Jahr. Ich wusste gar nicht, dass die Schweizer Armee noch Pferde hat, ausser als Zusatz im Büchsenfleisch. Als die Nachricht jedoch auf der Heimfahrt im Radio kam, dachte ich: Spätes 2:2 hin oder her – gut haben wir im Kleinfeld wenigstens keine Pferde, sonst würden die uns noch das ganze Vereinsbudget wegfressen. Und dann würden auch all die schönen Tore nichts nützen.
Apropos schöne Tore. Wie viele waren es diese Saison bereits? Bald 100? Waren es je so viele in unserer Vereinsgeschichte, Steinzeit inklusive?
Man hat sich schon an die regelmässigen Torlawinen im Kleinfeld gewöhnt. Gegen Bulle – zum 50-Jahr-Jubiläum des ersten Aufstiegs in die zweithöchste Liga – gab es diesmal «nur» zwei. Aber was war das für ein Tor zum 2:2! Diese Kombination, über drei Stationen, von Célien abgeschlossen – Wahnsinn, oder? Wenn das nicht mehr Freude auslöst, trotz des späten Ausgleichs, dann ist Hopfen und Malz verloren.
… Ja, klar hätte mit einem 2:1-Sieg das Retro-Aufstiegsshirt noch mehr gestrahlt. Aber sagen wir es so: Satzball vergeben, weiter gehts.
Drehen wir eben noch weitere Runden. Zudem: Auswärts werden sich die Gegner auch nicht so bekloppt reinknieen wie auf dem Kleinfeld. Dummerweise scheint das Stadion und die Kulisse bei einigen Gegnern zu wirken wie drei Liter Espresso mit einer Büchse Red Bull – bloss um dann im nächsten Spiel wie ein Sack toter Meerschweinchen aufs Dach zu kriegen.
Geschichte lässt sich nicht planen. Wer nun dummerweise während den letzten Heimpartien dieser herrlichen Saison schon Ferien gebucht hat, kann sich ab jetzt Gedanken machen, wie er diese wieder absagen kann. Vor allem, wenn es Reitferien sind. Denn wie gesagt: Ist eh viel zu teuer, mit diesen Pferden.
Zum Spiel
Es wäre wohl des Guten zu viel gewesen – oder ein sehr kitschiges Ende zu diesem Duell gegen den FC Bulle. Im Kleinfeld läuft die 94. Minute, als Patrick Zajac einen letzten Ball auf Julian Hermann schlägt, der ihn erreicht und in der Mitte Céli bedient – doch sein Abschluss landet am Aussenpfosten.
Kurz darauf endet diese Partie, die alles mit sich brachte: eine markante Leistungssteigerung von uns, ein spielerisch guter Gegner und viel Stimmung im Kleinfeld.

Wir agierten in den ersten 45 Minuten mit angezogener Handbremse, hatten offensiv nur wenige Aktionen und taten uns schwer gegen einen sehr tief stehenden Gegner. Bulle lauerte vorwiegend auf Konter und hatte dafür mit Andi Ukmata und Exaucée Mafoumbi zwei passende Akteure auf dem Feld.

Regelmässig kamen die Gäste zu Entlastungsangriffen, wir mussten stets auf der Hut sein – einmal waren wir es nicht. Bulle ging nicht unverdient in Führung. Mafoumbi hatte zu viel Platz und traf flach in die kurze Ecke.
Unsere Korrektur liess danach etwas auf sich warten. Aber nach gut 60 Minuten waren wir da. Wir drückten, erspielten uns Chancen im Minutentakt – und sündigten vorerst. Wobei Zbinden im Tor der Gäste zwei-, dreimal spektakulär parierte.

Gegen den Elfmeter von Luka war er dann aber machtlos. Nando wurde im Strafraum gefoult worden, und Luka traf sicher zum sehr verdienten Ausgleich. Aber natürlich wollten wir nun mehr. Wir drückten weiter und wurden belohnt. Nico bediente Céli mustergültig, und der traf zur umjubelten Führung.
Die Gäste traten in der Folge nur noch einmal in Erscheinung – beim Ausgleich. Kuzmanovic traf nach einem Freistoss per Kopf, ein Missverständnis in unserer Abwehr diente als Grundlage. 93 Minuten waren gespielt. Natürlich ärgert das.

Dennoch bauen wir heute, vier Runden vor Schluss, den Vorsprung an der Tabellenspitze wieder aus – und das nach einer druckvollen, engagierten zweiten Halbzeit. In einer Woche gastieren wir in Basel, Anpfiff 15:30 Uhr, und werfen wieder alles rein, was wir haben. Vier Spiele bleiben. Alle zusammen #comeonkriens
(Bilder: Daniel Gehrig)
SC Kriens vs. FC Bulle 2:2 (0:1)
1276 Zuschauerinnen und Zuschauer
Tore: 18′ Mafoumbi 0:1, 71′ Slilskovic (Penalty) 1:1, 74′ Wicht 2:1, 92′ Kuzmanovic 2:2
SC Kriens: Zajac, Hermann, Fäh, Heiniger, Riedmann, Siegrist (82′ Gebreyesus), Rüedi (57′ Romano), François, Hoxha (57′ Wicht), Toggenburger (89 ‘Facal), Sliskovic
FC Bulle: Zbinden, Wyder (69′ Dind), Monney, Kuzmanovic, Murith, Azemi, Dema (57′ Aguilar), Correa (82′ Petignat), Ratheinaivo, Mafoumbi (69′ Giordano), Ukmata
Bemerkungen: Kriens ohne Touré (gesperrt), Harperink, Aversa und Jetzer (alle verletzt). 25′ Pfostenkopfball Toggenburger, 94′ Pfostenschuss Wicht

