Von Oliver Kraaz
Ich war kurz davor wieder ins Auto zu steigen und wieder heimzufahren. Dass die Challenge League anspruchsvoller würde als die Promotion League war mir bewusst. Zur Feier des Tages erschien ich darum auch rasiert und in einem neuen T-Shirt gekleidet, das die Welt an mir noch nie gesehen hatte.
Mein Nervenzusammenbruch trug sich denn 45 Minuten vor (!) dem Spiel zu. Im Parkhaus Maladière. Denn so irr es klingt: ich konnte das Stadion nicht finden. Wohlverstanden: ich wusste, dass es sich direkt über mir befand. Wie das ganze Einkaufszentrum, dass man an das Stadion gebaut hatte (oder umgekehrt). Der Weg ins Stadion war dann aber so verschlungen wie der Weg in eine Freimaurer-Logo oder in die Kantine des Pentagons. Ich irrte 30 Minuten umher, ging sogar durch zwei Notfalltüren bis ich per Zufall ans Ziel kam.
Mein Appell darum nach diesem Spiel an alle Stadionbauer in der ganzen Schweiz bis auf die Kapverden: Hört auf Stadien in Einkaufszentren zu bauen. Es macht keinen Sinn. Niemand muss vor dem Spiel Katzensand oder Haarshampoo einkaufen können. Baut einfach ein Stadion, macht paar grosse Pfeile hin und haltet die WCs sauber. Fertig.
Die Maladière selbst ist ein schmuckes Stadion, das guten Fussball und fanatische Stimmung verdient. Gesunde Grösse, nahe Tribünen, in den roten Klubfarben gehalten – alles stimmig. Aber leider gestern etwas stimmungslos. 2800 Zuschauerinnen und Zuschauer wurden dreist vermeldet. Das ist eine mutige Zahl. Ähnlich mutig wäre es, den Pilatus einen 8000er-Berg zu nennen.
Es wäre auch vermessen zu behaupten, dass das erzitterte 3:2 gegen uns die Stadt Neuenburg in und ums Stadion in einen kollektiven Rausch gestürzt hätte, der erst im Morgengrauen wieder scheu abgeklungen wäre. Nein, der Sieg wurde gefasst aufgenommen. So, wie man die neue Steuerrechnung aus dem Briefkasten fischt.
Zur Pause bereute ich noch jeden Autobahnkilometer, den ich abgebrettert hatte, um dabei zu sein. Mit der zweiten Halbzeit war ich dann jedoch sehr versöhnt und bereit, bei einem Ausgleichstreffer etwas durchzudrehen. Nicht zuletzt auch wegen den neuen Gesichtern in unserem Team. Da gibt es einiges zu entdecken beim nächsten Heimspiel gegen Winterthur.
… vorausgesetzt, Marvin, Mauricio, Kevin, Elio, Yuro, Ruben und Malek und Albin fanden besser aus dem Stadion raus als ich rein. Vielleicht heute mal kurz anrufen, ob noch jemand in der Maladière mit Adiletten und Trainerjacke rumirrt.

