«Wir sind unsere eigenen und grössten Kritiker»

Daniel Müller: Leiter Sponsoring im Ehrenamt.

Der Breitenfussball ruht, die Challenge-League-Heimspiele dürfen momentan keine Zuschauerinnen und Zuschauer besuchen. Dani Müller hat mit seinem Team die Aufgabe in dieser Situation Sponsoren für den SC Kriens zu gewinnen.

Dani Müller, man spricht besonders im Fussball nun oft von Solidarität und Unterstützung – treffen diese Schlagworte auch auf die SCK-Sponsoren zu?
Ja, wir dürfen behaupten, dass wir im Moment eine starke Solidarität von unseren Sponsoren spüren. Das ist ein sehr schönes Zeichen. Viele unserer Sponsoren sind wie wir selbst in einer sehr unangenehmen Situation. Dennoch ziehen sie sich beim SC Kriens nicht zurück. Das ist erfreulich und wir sind stolz auf unsere Sponsorengemeinschaft.

Die Situation ist nicht einfach, es dürfen keine Zuschauer ins Kleinfeld, es finden keine Juniorenspiele statt, wie ist die Reaktion der Vereinssponsoren auf diesen Zustand?
Das stimmt, in bestimmten Segmenten können wir unsere vertraglichen Leistungen momentan leider nicht im gewünschten Umfang erfüllen. Aber bis zum heutigen Tag hat sich kein einziger Sponsor bei uns darüber beschwert oder einen Teil der Geldleistungen zurückgefordert. Umgekehrt versuchen wir so gut wie möglich ebenfalls unseren Beitrag zu leisten, sei es mit zusätzlichen Leistungen wie Online-Werbung und einer offenen Kommunikation.

Zahlreiche Branchen spüren die Auswirkungen der Coronakrise, dennoch hat der SC Kriens in dieser Zeit Sponsoren dazu gewinnen können, weshalb?
Wir haben in den letzten Monaten mehr als ein Dutzend Sponsoren mit einem substanziellen jährlichen Beitragsvolumen dazugewonnen. Das ist tatsächlich ein toller Erfolg für uns.

Wie begründest du diesen Aufschwung?
Es ist ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren. Erstens hat die Entwicklung von Sponsoren-Umsätzen mit längerfristiger Aufbauarbeit und nicht mit einem kurzfristigen Abschluss zu tun. Daher sind diese Abschlüsse meiner Meinung nach losgelöst von Krisen zu betrachten. Nichtsdestotrotz gehört auch immer eine grosse Portion «goodwill» der Sponsoren dazu. Sie hätten aufgrund der erwähnten Situation bezüglich Vertragserfüllung ihre Investition aufschieben können bis ein normaler Spielbetrieb respektive die vollständige Leistungserfüllung wieder absehbar ist.

Und zweitens?
Zweitens führt die Personalentwicklung beim SCK zu einer höheren Stabilität und Substanz im Sponsoring. Der Fokus und die Verbindlichkeit in den Abläufen sind dadurch hoch und wir kriegen die Projekte nachhaltiger und schneller auf den Boden. Und drittens haben wir beim SCK ein interessantes Angebot mit einer grossen Reichweite und eine starke Marke, wenn man so will, die geprägt vom gesamten Vereinsumfeld und der Strahlkraft unserer ersten Mannschaft eine hohe Anziehungskraft und Reputation besitzt.

Wie «pflegt» man momentan den Kontakt zu so vielen verschiedenen Sponsoren?
Unsere Idee war von Beginn weg, dass wir gegenüber unserem Vereinsumfeld und den Sponsoren sehr nahe und vor allem regelmässig kommunizieren. Das machen wir momentan halt digital, mit Mails und mit Newslettern. Wir glauben, dass dies in den letzten Monaten und angesichts der speziellen Situation sehr wichtig war und weiterhin wichtig sein wird. Wir halten unsere Partner offen und ehrlich über die Situation im Kleinfeld und über unsere getroffenen Massnahmen auf dem Laufenden.

«Wir dürfen uns darüber freuen, wie wir unterwegs sind.»

Daniel Müller

Zusätzlich gibt es, wenn möglich, auch persönliche Gespräche mit den einzelnen Sponsoren, am Telefon und wenn möglich bei Sponsorenbesuchen. Der direkte Austausch mit unserem Umfeld ist für uns ohnehin ein sehr zentrales Thema. Diesbezüglich ist die Pipeline voll und einige Projekte laufen auf Hochtouren.

Der SC Kriens hat keinen Mäzen, keinen Investor. Ist das ein Vor- oder eine Nachteil in der aktuellen Situation?
Klar gibt es ein Gefühl der Sicherheit, wenn jemand im Hintergrund sitzt, der einfach so den Geldhahn aufdrehen kann. Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille. Beispielsweise besteht die Gefahr, dass man träge wird und an Innovationskraft verliert. Zudem steigen die Abhängigkeit und die Fremdsteuerung. Aus meiner Perspektive machen wir es aktuell ziemlich gut. Wir sind unsere eigenen und grössten Kritiker. Wir kennen unsere Herausforderungen und arbeiten daran, diese zu überwinden. Dazu haben wir die richtigen Personen im Verein.

Angenommen morgen steht ein ausländischer Investor mit seinen Millionen vor der Kleinfeld-Tür, würde er reingelassen?
Das hängt ganz von der Entwicklung des Schweizer Fussballs und der Zielsetzung des Vereins ab. Ich kann mir vorstellen, dass das finanzielle Ungleichgewicht in den Profiligen zukünftig noch grösser wird. Sollte diese Situation eintreten und der Verein die finanzielle Unabhängigkeit nicht aus der Region stemmen können, müssen Alternativen gesucht werden, sofern wir an unserem Plan festhalten wollen. Dabei wäre mir wichtig, dass der Verein seine Ziele, Herkunft, Werte und seine Identität nicht verliert. Mit einem ausländischen Investor ist dieses Vorhaben sicher schwieriger, aber es gibt ja auch nationale Möglichkeiten. Letztlich brauchen wir uns in der aktuellen Situation keine Gedanken darüber zu machen. Vielmehr dürfen wir uns freuen, wie wir unterwegs sind und vor allem, was die Zukunft für uns bringt.

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