«Wir haben Ausfälle von 400’000 Franken zu verkraften»

Eigentlich hatte sich SCK-Finanzchef Simon Bachmann auf einen entspannten Sommer gefreut. Eine erfolgreiche Mannschaft, ein gut laufendes Restaurant, endlich ein Budget basierend auf dem Vorjahr – aber dann kam Corona.

Wie viel Geld hat der SC Kriens in den vergangenen drei, vier Monaten verloren, im Vergleich zum budgetierten Normalfall?

Durch die Schliessung des Sportzentrums, des Restaurants und durch die Reduktion der Zuschauer haben wir Einnahmenausfälle von rund 400’000 Franken zu verzeichnen. Da wir über alles hinweg in der ersten Saisonhälfte etwas über den Planwerten lagen, fällt der Ausfall gegenüber Budget ein wenig tiefer aus.

Ist es Schlimmer als befürchtet oder sind wir bisher mit einem blauen Auge davon gekommen?

Die Befürchtungen waren anfangs schlimm, vor allem die ungewisse Zukunft bereitete mir schon ein paar schlaflose Nächte. Mit den getroffenen Sofortmassnahmen wie Kurzarbeit und einem Ausgabenstopp konnten wir den Schaden in Grenzen halten. Zudem hat unser Verein vom gesamten Umfeld einmal mehr sehr viel Solidarität erfahren. Das geht von schönen Trinkgeldern über Rechnungserlass bis hin zu 100 Prozent Lohnverzicht. Daher ist es alles in allem bislang ein dunkelblaues Auge.

«Geisterspiele sind für die Vereine keine Option, das haben wir mit der Liga mehrmals diskutiert.»

Simon Bachmann

Die grosse Krise im Fussball blieb bisher aus, so scheint es, alle Vereine sind noch da. Überrascht?

Ehrlich gesagt ja, ich bin überrascht. Wenn man bedenkt wie laut einige Hilfeschreie waren müsste die Bilanz heute schlechter aussehen. Aber wer kennt schon die Realität. Es sind zwar alle Vereine noch da, aber teilweise mit grossen Schuldenbergen, was heisst, die finanziellen Schäden sind jetzt erst mal überbrückt. Ob und in wie fern diese Schuldenberge je einmal abgetragen werden können wird die Zukunft zeigen. Es ist ja noch nicht vorbei und die Planungsperspektive nicht wirklich rosig.

Stimmt. Corona ist noch da, aber unsere Vorsicht ist mittlerweile gewichen. Wie fest fürchtet sich der Finanzchef vor einem erneuten Lockdown und Spielen ohne Zuschauer im Herbst?

Ich glaube nicht, dass sich die Schweiz einen zweiten Lockdown leistet oder überhaupt leisten kann. Daher gehe ich eher davon aus, dass wir in den Stadien eine Maskenpflicht, Tracingvorgaben und reduzierte Zuschauerkontingente haben werden. Geisterspiele sind für die Vereine keine Option, das haben wir mit der Liga mehrmals diskutiert. Bis auf die Sicherheit fallen praktisch die vollen Kosten für den Spielbetrieb an und die Zuschauereinnahmen fehlen gänzlich. Dies ist schlichtweg nicht tragbar. Somit gibt es für mich nur die Optionen mit Masken und Zuschauer oder gar nicht zu spielen.

Mit dieser Ungewissheit muss man umgehen, wie vorsichtig budgetierst man die neue Saison, wie viel weniger Geld steht uns zur Verfügung?

Wir hatten uns zeitweise überlegt gar nicht zu budgetieren weil so oder so alles nur Kaffeesatzlesen ist. Man muss sich vor Augen führen, dass wir mit dem tiefsten Challenge League Budget oben mitspielen und mit sehr wenig Mittel eine der schweizweit grössten Juniorenabteilung betreiben. Das heisst, wir können unser Budget gar nicht reduzieren um konkurrenzfähig zu bleiben und weiter zu existieren. Wir haben nun da wo möglich die Kosten an Variablen geknüpft.

«Wir spielen mit dem tiefsten Challenge-League-Budget oben mit und betreiben mit sehr wenig Mitteln eine der grössten Juniorenabteilungen.»

Simon Bachmann

Das bedeutet, geht es uns gut bezahlen wir mehr – geht es uns schlecht muss auch der Empfänger mit etwas weniger auskommen. Dann haben wir mit unseren Finanzpartnern Lösungen gefunden, die geplanten Rückzahlungen aus der Stadionfinanzie- rung aufzuschieben. Das alles gibt uns Luft, uns an die zukünftigen Entwicklungen anzupassen.

Der SCK hängt nicht am Tropf von Investoren oder Mäzenen. Ist das ein Nachteil in der aktuellen Situation?

Langfristige sicher ein Vorteil. Wir wissen was wir haben und geben uns nicht in unberechenbare Abhängigkeiten. Unsere Investoren sind unsere Mitglieder, unser ganzes Umfeld und insbesondere unsere Sponsoren welche uns allesamt in dieser schwierigen Zeit die Stange halten und wir weiter auf sie zählen dürfen. An dieser Stelle möchte ich allen Sponsoren, Finanzpartnern und dem gesamten SCK-Umfeld ein grosses Dankeschön aussprechen. Wir durften in dieser ausserordentlichen Zeit sehr viel Unterstützung und Solidarität erfahren.

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