Zuerst brilliert, dann gekämpft

Wieder Zuschauerinnen und Zuschauer im Kleinfeld – und ein Spiel, dass sie so schnell nicht vergessen werden. Da war diese wunderbare Anfangsphase von uns mit viel Wucht, mit Spielfreunde und zwei frühen Toren. Dario Ulrich traf nach vier Minuten, Mark Marleku sieben Minuten später.

Zwei Angriffe über aussen, schnell uns zügig. Wunderbar. Und es folgten weitere Chancen, Mark Marleku vergab eine, Helios Sessolo kam dem Tor ebenfalls nahe. Wir hatten das Spiel im Griff.

Wil war zwar immer dran, war immer wieder gefährlich im Ansatz, kam oft über die Flügel, aber wirkliche Torgefahr herrschte vor Pasci Brügger eigentlich nicht. Bis zu dieser ominösen 42. Minute. Eine Phase in der wir vielleicht etwas zu defensiv standen, Wil zu sehr machen liessen. Kurz, der Ball sprang nach einem Kopfball an den Arm von Elia Alessandrini und der Schiedsrichter deutete die Aktion als klares verhindern eines Tores, und weil er das so deutete, gabs Elfer für Wil und die rote Karte für Kriens. Puh. Sehr harter Entscheid.

Und obendrein ein ganz anderes Fussballspiel. Ungemein ärgerlich für uns, denn wir waren auf einem sehr guten Weg zu drei wichtigen Punkten. Das darf man so sagen. So aber wartete eine Halbzeit auf uns mit einem Mann weniger und bloss noch einem Tor Differenz. Dazu mussten wir umstellen, weniger Offensive, mehr Defensive.

Und Wil drückte, das war klar. Die Gäste liefen den Ball laufen, nutzen die Breite des Feldes und die neuen Räume im Angriffsspiel. Wir hielten dagegen mit viel Laufarbeit, Kampf und Leidenschaft. Zwischendurch gabs etwas Entlastung, oft aber nicht und die Ostschweizer liessen nicht locker. Nach 70. Minuten rettete uns der Pfosten, zehn Minuten später war der Ausgleich dann Tatsache. Nicht unverdient, trotzdem mühsam.

Nun bäumten wir uns nochmals auf zum Ende. Kamen zu zwei, drei Standards, und endlich wieder in den gegnerischen Strafraum. Nur es fehlte jetzt die Kraft, auch im Kopf, um nochmals zurückzuschlagen. Aber, wir halten den Punkt fest, den hart erkämpften Punkt, in einem Spiel, dass Vieles bot. Spektakel, Dramatik, Freunde, Enttäuschung – ein Wechselbad der Gefühle.

Wir nehmen das Positive mit. Den einen Punkt, die ersten 30 Minuten und unser grünweisses Kämpferherz. Danke euch allen, die die dabei sein konnten, für den Besuch im Kleinfeld. Bis bald wieder.


Höhepunkte


Telegramm

SC Kriens vs. FC Wil 2:2 (2:1)
Kleinfeld – 100 Zuschauerinnen & Zuschauer (ausverkauft)

Tore: 4′ Ulrich (Mulaj) 1:0, 11′ Marleku (Ulrich) 2:0, 42′ Fazilu 2:1 (Pen.), 80′ Krasniqi 2:2

SC Kriens: Brügger, Costa, Alessandrini, Kryeziu, Urtic, Mistrafovic, Selasi (46′ Bürgisser), Mulaj (65′ Kukeli), Ulrich (81′ Follonier), Sessolo (46′ Berisha), Marleku (76′ Djorkaeff)

Bemerkungen: SC Kriens ohne Busset, Souare (beide verletzt). Zizzi, Sadrijaj, Yesilcayir, Tadic, Luan, Maloku (alle nicht im Aufgebot)

Statistik und Höhepunkte


Spielbilder

Von Daniel Gehrig


Vorschau

Stell dir vor, du bleibst mit einem Kannibalen und einem Bombenleger mit tickender Zeitbombe im Gillet im Lift stecken. Das kommt nicht gut. Der Kannibale bindet sich bereits das Lätzchen um, nimmt das Aromat hervor, kommt auf dich zu … und klappt zu Boden. Der Bombenleger hat ihn mit einer Zündschnur erdrosselt. Er schaut dich nun an und sagt mit roten Augen: «Alles gut, ich will dir nur helfen».

Ja, alles gut? Und jetzt mal überlegen: Der Kannibale, das sind die Initianten der «New Super League» und der Bombenleger ist die Uefa. Im übertragenen Sinn natürlich. Und du als kleiner Fan. So präsentiert sich die Lage nach der Muppet-Show am Montag.

Über die Initianten der «Super League» verlieren wir keine Worte. Man fragt sich nur: Haben diese Herren keinen Hausarzt, der ihnen sagt: «Ich gebe Ihnen jetzt besser eine starke Spritze und dann schlafen wir mal einen Monat durch. Dann kommen wir wieder auf ganz andere Gedanken.»

Aber: Dass die Uefa die Rettung des Fussballs sein soll, das ist naiv. Dieselbe Uefa hat soeben die Champions League auf gefühlte 1800 Spiele im Jahr erweitert. Teilnehmen werden alle, die bereits an der Kannibalen-Liga beteiligt waren. Dazu ein paar andere Klubs als Deko. Faktisch gibt es die Kannibalen-Liga also bereits. Nur das Make-up ist verschieden.

Könnte uns eigentlich alles egal sein. Dumm nur, dass auch wir darunter leiden. Wir als Fans und als Verein SC Kriens. Wir sind die Dummen, die die Rechnungen selbst jetzt pünktlich bezahlen, unter starken Einschränkungen.

Mit den Kannibalen-Ligen wächst der Eindruck: «Der Fussball» ist gierig und nicht von dieser Welt. Wie eine Sekte. Aber es gibt nicht «den Fussball». Wir sind auch «Fussball», ja wir waren es sogar zuerst. Fussball ist dann entstanden, als ein Ball auf eine Wiese rollte und Menschen ihm nachjagten.

Schmerzhaft für uns ist, dass auch wir als Verein oft in denselben Topf mit allen andern geworfen werden. Dabei geht unter, was Fussball in einem Verein wie bei uns heisst und bedeutet.

Zahlen gefällig? Bitte:

Beim SC Kriens sind rund 800 Fussballerinnen und Fussballer aller Altersstufen am Spielen, betreut werden sie unter anderem von über 70 ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern. Es gibt ein Sackgeld, für das Spieler aus der Kannibalen-Liga nicht einmal ihre Likes auf Insta zählen würden. Insgesamt laufen so ca. 4’700 Minuten Fussball pro Woche auf dem Kleinfeld – die Spiele am Wochenende nicht mitgerechnet, und ohne, dass jemand dabei nur einen Franken verdient. Gratis Fussball sozusagen? Ja, das gibt es. Bei uns.

Im Sommer lädt die Uefa zu einer EM. Sie beharrt darauf, dass die Stadien gefüllt sein müssen (!), sonst «darf» man nicht Gastgeber sein. Corona? Inexistent. 2022 folgt Katar. Da ist längst alles gesagt.

Nur: Mit jedem Champions League-, EM- und WM-Spiel das wir einschalten, setzen wir uns mit den Kannibalen und Bombenlegern wieder in den Lift. Freiwillig.

Diesen Samstag spielen wir gegen Wil daheim (Kleinfeld, 18:15 Uhr). Es geht nicht um Milliarden, sondern um drei Punkte gegen den Abstieg. 100 Fans dürfen ins Stadion. 100 grünweisse Herzen. Und keine Kannibalen. Auf zur Mission Klassenerhalt.


Gedanken zum Spiel. Von Anthony Bürgisser

«Trotz wenigen Torchancen sind wir gegen Xamax effizient aufgetreten. Wir alle sind nach Neuenburg gereist mit der richtige Mentalität und viel Leidenschaft. Der Sieg gegen Xamax war ganz wichtig, da die anderen Mannschaften im Abstiegskampf auch gepunktet haben.
Am Samstag gegen Wil müssen wir auf den Platz gehen und genau wie gegen Xamax als Sieger auftreten. Das letzte Resultat von Will gegen Aarau (7:0) war überraschend, darum müssen wir von der ersten bis zur letzten Sekunde bereit sein. Ich freue mich auf diesen harten Kampf, auf die 100 Zuschauerinnen und Zuschauer im Kleinfeld – am Schluss sind nur die drei Punkte wichtig.»


Wir gegen Wil

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