Nicht gerechnet, sondern gespielt und vor allem gekämpft

Bild: Kirsten Meier

Ja, jetzt lief es heute gegen Stade Lausanne-Ouchy für uns. Durfte es auch. War ja zuletzt nicht immer so. Wir benötigten heute ein paar Minuten um drin zu sein in diesem Spiel. Nach 11 Minuten eroberte sich Mark, was der Junge da vorne ackert, wahnsinn, den Ball vom letzten Ouchy-Verteidiger, scheiterte dann zwar alleine vor dem Torhüter, jedoch, war diese Aktion so etwas wie ein grünweisser Weckruf.

Kurz darauf fiel unser Führungstor. Liri Mulaj wunderbar über links, Ball zurück und Helios Sessolo mit dem gefühlvollen Abschluss in die lange Ecke. Schönes Ding. Das Heimteam trat in der Folge erwartet dominant auf, hatte mehr Ballbesitz, aber nicht die klaren Torchancen. Wir störten erfolgreich, liessen den spielstarken Westschweizern kaum Entfaltungsmöglichkeiten, war «ecklig» und aufsässig.

Schön anzuschauen war das nicht immer, auch egal. Aber wir lauerten und kamen dann und wann gefährlich zum Abschluss. David Mistrafovic hatte noch vor der Pause eine ordentliche Gelegenheit. Und irgendwie wirkte Lausanne-Ouchy heute Abend nicht so stilsicher wie auch schon. Da gabs immer wieder Fehler im Spielaufbau, wenig Kreatives vor unserem Tor. Nachlässigkeiten. Das Gefühl, heute was mitnehmen zu können, wuchs.

Bis zur 60. Minute. Wiedermal ein hoher Ball in unseren Strafraum, ein Ableger und ein Schlenzer. Ausgleich. Nicht aus dem Nichts, aber wirklich angedeutet hatte sich das Tor auch nicht. Nun, es folgte ein Tanz auf Messers Schneide. Ouchy suchte vorsichtig das zweite Tor, wir lauerten, liessen uns aber nicht ins Verderben locken. Behielten die Kompaktheit.

Die klaren Torchancen kamen daher weiterhin nicht. Aber Ouchy war näher am 2:1 als wir. Das darf man sagen. Wir hatten ein, zwei Kontergelegenheiten, spielten diese aber nicht gut genug aus, blieben unterwegs an irgend einem Bein hängen. Ein Punkt also, damit können wir leben.

Bis, ja bis, Burim Kukeli zwei Minuten vor Schluss einen Querpass im Mittelfeld abfing, sofort Patrick Luan auf die Reise schickte und dieser ziemlich cool das 2:1 für uns markierte. So kanns gehen.

Tut gut dieser Sieg. Auch beim Blick auf die Tabelle. Nun aber dran bleiben Freunde. Weiter beissen, weiter kämpfen, weiter punkten. Nicht nachlassen, keinen Millimeter. Thun kommt am Freitag ins Kleinfeld. Wir rechnen nicht, wir spielen. Come on Kriens.


Höhepunkte


Telegramm

FC Stade Lausanne-Ouchy vs. SC Kriens 1:2 (0:1)
Stade Olympique de la Pontaise – 100 Zuschauerinnen und Zuschauer

Tore: 14′ Sessolo (Mulaj) 0:1, 60′ Abdullah 1:1, 88′ Luan (Kukeli) 1:2

SC Kriens: Brügger, Urtic, Kryeziu, Berisha, Costa, Selasi, Mistrafovic (69′ Kukeli), Ulrich (73′ Aliu), Mulaj (86′ Djorkaeff), Sessolo (86′ Bürgisser), Marleku (69′ Luan)

Bemerkungen: SC Kriens ohne Alessandrini (gesperrt). Zizzi, Tadic, Follonier, Maloku, Sadrijaj, Souare, Yesilcayir (alle nicht im Aufgebot)

Statistik und Höhepunkte


Vorschau

Von Oliver Kraaz: Jonglieren mit Zahlen, das bringt gar nichts. Ich hatte an der Kanti Alpenquai eine Mathi-Lehrerin aus dem Iran. Die Herkunft tut nichts zur Sache. Beindruckend war aber, dass sie kurz nach den Herbstferien realisierte, wie grottenschlecht wir im Fach Mathematik waren – und das nur ein Jahr vor der Matura. Sie kam in Panik. Fortan stand sie an der Wandtafel mit einer weissen Kreide in der einen und einer Zigarette in der andern Hand. Sie rauchte durch. Stress, Panik. Sie hätte auch eine Bierflasche statt einer Zigarette in der Hand halten können – es half alles nichts.

Auch mir nicht. Ich hatte an der mündlichen Mathi-Prüfung schliesslich eine 2.5. Kein Witz. Die Prüfung war die längste Viertelstunde meines Lebens.

Warum ich das erzähle? Weil wir in Kriens jetzt, fünf Runden vor Ende der Meisterschaft, in Versuchung geraten könnten, auch rechnen zu wollen. Rechnen, wie viele Punkte es noch braucht. Was, wenn wir… und die andern…oder die andern… und wir… – lassen wir das.

Fussball hat mit Mathematik so wenig zu tun wie Bescheidenheit mit der FIFA und der UEFA. Will heissen: Nur als Randphänomen. Als Irrtum der Natur.

Klüger, richtig klüger, ist es nun jedes Spiel auf tutti zu gehen. Gegen alle Widerwärtigkeiten. Das klingt ganz dumm, ich weiss. Ich möchte auch sagen: Das Spiel dauert 90. Minuten oder der Ball ist rund. Jajaja. Stimmt doch alles.

Ich liebe den Abstiegskampf, ich liebe die Konferenzschaltungen im TV mit Tränen auf den Rängen und hohem Blutdruck auf der Trainerbank – aber nur, wenn es mich nicht betrifft.

Daher, bitte, bitte Freunde, die ihr meine Farben in den nächsten Runden vertritt: Haut einfach alles weg, mit Schweiss auf der Stirn und dem Herz in der Hand. Bereits heute um 19 Uhr gegen Lausanne-Ouchy. Ich rauche unterdessen daheim eine weisse Kreide. Come on Kriens.


Matchblatt

Wir reisen heute mit allen Mann an Board nach Lausanne. Natürlich, Elia Alessandrini ist nach seiner roten Karte gegen Wil noch gesperrt, sonst aber sind alle Jungs genesen und die Verletzungen ausgeheilt. Gute Voraussetzungen also für den grünweissen Saison-Endspurt und für den ersten Saisonsieg gegen Stade Lausanne-Ouchy.

Für beide Teams ist es heute ein ungemein wichtiges Spiel. Ouchy braucht Punkte um oben dranzubleiben, wir um unten wegzukommen. Anfang April trennten wir uns im Kleinfeld 1:1, seither haben wir in vier Spielen einen Punkt mehr gesammelt, nämlich fünf, als unser Gegner heute.

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