Fliegender Holländer des Kleinfelds

Kees Roosenboom hat mit Abstand den klingensten Namen beim SCK. Der Kleinfeld-Stadionwart ist eigentlich ausgebildeter Gastronom, arbeitet mittlerweile aber lieber im Stadion als im Pub. Im Kleinfeld wird er an allen Ecken und Enden gebraucht.

Schutzmasken in den Garderoben, Schutzkonzepte für den Trainingsbetrieb, eimerweise Desinfektionsmittel für Hände und Bälle – und alles kann in ein paar Tagen wieder anders sein. Das ist die neue Normalität im Kleinfeld. Kees Rosenboom hat gelernt damit umzugehen, flexibel zu bleiben und seine Arbeit als Stadionwart immer den Veränderungen anzupassen. Die Corona-Pandemie hat seinen Arbeitsaufwand spürbar vergrössert. Er ist ein gefragter Mann in diesen Wochen und nicht nur für auswärtige Mannschaften die erste Ansprechperson beim Kleinfeldbesuch. Wo können wir uns umziehen? Müssen wir wirklich Schutzmasken tragen? Uns fehlen beim Dress zwei

Hosen und drei Stulpen. Kees Roosenboom ist ein Hans Dampf in allen Kleinfeldgassen. Eine Mischung aus Polizei und Auskunft. «Wenn etwas nicht funktioniert oder unklar ist, bin ich oft der Erste, der das zu spüren bekommt.»

«In jeder Pub-Ecke läuft dort Fussball. An fast jedem Abend. An den Wochenenden oft den ganzen Tag.»

Kees Roosenboom

Seit Sommer 2019 ist der gebürtige Niederländer Stadionwart im Kleinfeld. Reparieren, waschen, reinigen, kontrollieren, seine Einsatzbereiche sind viel- fältig. Neu ist die berufliche Vielfalt dem 52-jährigen nicht. 20 Jahre lang wirkte er in Luzerns ältestem und bekanntesten Pub – dem Pickwick direkt an der Reuss. Auch da war er flexibel einsetzbar. Eine Ausbildung in der Gastronomiebranche hatte Kees Rosenboom in Holland abgeschlossen, mit jungen 18 Jahren kam er zum ersten Mal in die Schweiz.

Ein Jahr lang arbeitet er in Zürich in einem Gastronomiebetrieb, ging dann zurück nach Holland und kam mit 20 Jahren nach Luzern. Er blieb und baute zusammen mit seiner Ex-Partnerin das Pickwick- Pub auf. «Es lief und läuft noch immer brutal gut. Als wir anfingen verkauften wir vielleicht fünf, sechs Hamburger pro Tag. Jetzt macht die Küche einen Drittel des gesamten Umsatzes aus.» Und, das Pickwick wurde zum Treffpunkt der regionalen Fussballgemeinde. «In jeder Pub-Ecke läuft dort Fussball. An fast jedem Abend. An den Wochenenden oft den ganzen Tag.»

«Ich liebe den technischen, schnellen Fussball. Wenn das Offensivspiel Wucht und Kreativität hat.»

Kees Roosenboom

Der Fussball ist ein stetiger Begleiter von Kees Roosenboom. Als Jugendlicher kickte er selber beim FC Borgvliet, dem Verein seines Heimatortes Bergen op Zoom, südlich von Rotterdam. Stürmer war er. Schnell, trickreich. Guter Schuss. «Aber als die Ausbildung in der Gastronomiebranche mit 16 Jahren begann, lag Fussballspielen nicht mehr drin, ich musste an den Wochenenden immer arbeiten. Leider, ich habe es geliebt zu spielen», sagt Kees Roosenboom. Er blieb Fan. Von Holland mit Gullit, Van Basten, Rijkard, die prägende Generation, die Europameister von 1988. Von Ajax Amsterdam unter Louis van Gaal, die Champions League Sieger von 1995 mit den de Boers, mit Litmanen, mit Seedorf, Davids, Overmars und Kluivert. Die vielleicht talentierteste Mannschaft im Weltfussball – wohl aller Zeiten.

Für Ajax schlägt bis heute sein Herz, und für den anderen Weltverein mit viel niederländischem Anstrich, den FC Barcelona. «Ich liebe den technischen, schnellen Fussball. Wenn das Offensivspiel Wucht und Kreativität hat.»

Kees Roosenboom unterwegs im Kleinfeld. Auf und neben dem Platz.

Stellvertretender Geschäftsführer war Kees Roosenboom nach den vielen Jahren im Pickwick Pub. Er arbeitete viel und irgendwann zu viel. «Mein Körper meldete sich, ich war nahe an einem Burnout und wusste, jetzt ist genug», er kündigte «seinem» Pickwick und stieg nach über 20 Jahren aus der Gastronomiebranche aus. «Ich blicke gerne zurück, aber ich habe abgeschlossen mit der Gastronomie. Ich musste etwas komplett Neues machen.»

Die Stellenausschreibung des SC Kriens kam zum richtigen Zeitpunkt. Arbeiten für einen Fussball- verein, in einem Fussballstadion. «Es tönte vielversprechend.» Und dennoch war es Anfangs eine Angewöhnung, eine neue Erfahrung, nicht nur ein Traumjob. «Jetzt kenne ich die Leute im Kleinfeld und die Leute kennen mich. Ich fühle mich akzeptiert und kann mich einbringen. Beides ist mir sehr wichtig.»

«Es gibt immer Leute, die man an die Regeln und Abmachungen erinnern muss.»

Kees Roosenboom

Unzählige Menschen gehen im Kleinfeld ein und aus. Jeden Tag, jede Woche. Über 50 Trainer kommen und gehen von Montag bis Sonntag. Ein bekanntes Gesicht hilft da in der täglichen Zusammenarbeit ungemein. Besonders jetzt, wenn die Abläufe komplizierter und umständlicher sind. «Der Aufwand hat zugenommen für uns alle und manchmal ist die Disziplin der Junioren auf dem Platz grösser als daneben». Dann ist Polizist-Roosenboom gefragt. «Ich mache das nicht gerne, aber es gibt immer Leute, die man an die Regeln und Abmachungen erinnern muss.»

Es ist das Los jedes Stadionwarts in diesem Land. Kein einfaches. Aber Kees Roosenboom hat sich damit zurechtgefunden, hat die Ruhe die 20 Jahre im hektischen Gastronomiegewerbe hinterlassen, die Ideen und Durchsetzungskraft eines holländischen Fussballers und das nötige Gespür für die Menschen im Kleinfeld. Aus dem SCK-Stadionwart ist mittlerweile auch ein SCK-Fan geworden, der sich neben Ajax und dem FC Barcelona zu Hause auch die Spiele des SC Kriens anschaut.

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