«Es ist ein guter Ort für mich, um wieder Spass zu haben am Fussball»

Albion Avdijaj (27) hat schon einiges von der grossen Fussballwelt gesehen. In Liechtenstein und Albanien wurde er Pokalsieger, in Deutschland in jungen Jahren Meister und mit der kosovarischen Nationalmannschaft spielte zwei inoffizielle Länderspiele. Jetzt ist er froh, wieder zu Hause zu sein – und beim SC Kriens.

Wieso der Wechsel zum SC Kriens?
Ich hatte schon im vergangenen Winter Kontakt mit Bruno Galliker, habe dann aber noch in Albanien gespielt. Zuerst ein halbes Jahr bei Tirana. Dann gabs im Winter Kontakte mit verschiedenen Vereinen in der Schweiz, ich blieb aber in Albanien und spielte die Rückrunde für KF Vllaznia.

Weshalb kams damals noch nicht zum Wechsel zurück in die Schweiz?
Ich kannte den Trainer von Vllaznia gut, Thomas Brdaric, aus meiner Zeit bei der zweiten Mannschaft in Wolfsburg und ich wollte die Saison im Ausland zu Ende spielen.

«Das war hart. Das waren Maschinen, ich sah in diesem Spiel nicht viel Land.»

Vor der Saison in Albanien hast du in Dänemark gespielt.
Ja, zuerst noch in Ungarn bei Debrecen und danach in Dänemark bei Viborg. Ich hatte dort 2019 einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Kaum angekommen habe ich mich verletzt. Ich war zwei Monate out, lebte in einer kleinen Stadt im Norden Dänemarks. Es regnete ständig, ich sass fast nur in meiner Wohnung – es war kein positiver Start. Nach meiner Verletzung hatte ich noch drei, vier Teileinsätze, dann war Winterpause, dann kam Corona und die Meisterschaft wurde abgebrochen und ich wollte nur noch nach Hause, also habe ich den Vertrag aufgelöst und bin Heim geflogen in die Schweiz.

Und anschliessend wieder ins Ausland.
Ich wollte es nochmals versuchen. Also habe ich im Sommer 2020 bei Tirana unterschreiben. Obs die richtige Entscheidung war? Rückblickend vielleicht nicht. Aber ich bin froh jetzt hier zu sein, in der Schweiz, bei meiner Familie, meinen Freunden und beim SC Kriens. Vielleicht schätze ich es nun auch mehr, weil ich weiss, wie es ist, wenn man das alles hier nicht hat.

Fällt es dir leicht, dich immer wieder irgendwo einzuleben?
Für mich gehörte das bisher zum Leben als Fussballer. Ich kannte es nicht anders. Natürlich, es ist nicht immer einfach und je älter man wird, desto mehr sehnt man sich nach der Heimat und der Familie, so geht es mir zumindest. 

Viel unterwegs. Albion Avdijaj im Cupspiel gegen den FC Vevey Sport.

Du hast bereits als Jugendlicher im Ausland gespielt, bist im Alter von 16 Jahren zu Hoffenheim.
In diesem Alter schaut man anders auf die Welt. Für mich gab es nur den Fussball und wenn man Erfolg hat, wenn es läuft, vermisst man die Heimat weniger. An die Zeit in der U19 von Wolfsburg erinnere ich mich zum Beispiel sehr gerne zurück. Wir haben alles abgeräumt, hatten eine tolle Mannschaft. Wurden Deutscher Meister. Julian Brandt war mit dabei, oder auch Maximilian Arnold. Das sind schöne Erinnerungen.

Von Wolfsburg bis du danach in die Super League zu Vaduz.
Richtig, ich war von GC an Wolfsburg ausgeliehen, dann hat mich Vaduz im Sommer 2015 verpflichtet und auch dort hatte ich zwei gute Jahre – und Vaduz zählt ja nicht so richtig als «Ausland».

Du hast damals auch für die Nati gespielt.
Für den Kosovo. Wobei der Kosovo damals noch nicht anerkannt war von der UEFA und es keine offiziellen Testspiele waren. Aber ja, ich habe gegen die Türkei und gegen den Senegal gespielt. Gegen die Türkei eine halbe Stunde und gegen Senegal stand ich sogar in der Startelf. Das war hart, ich war knapp 20 Jahre alt und das waren Maschinen, ich sah in diesem Spiel nicht viel Land.   

«Hier habe ich die Chance wieder so gut zu sein als Fussballer, wie ich sein kann.»

Jetzt bist du 27 Jahre alt, bist beim SC Kriens. Was sind die Ziele?
Ich will zuerst wieder richtig fit werden. Ich bin schon wieder gut unterwegs, habe auch schon ein paar Spiele machen können, bin aber noch nicht bei 100 Prozent. Ich will wieder Tore schiessen und nach den schwierigen letzten Jahren hier im Kleinfeld zu meiner Form zurückfinden.

Ist es ein Neuanfang für dich?
Ein Neuanfang nicht. Aber ich fühle mich sehr wohl hier. Wir haben in Kriens ein tolles Umfeld, die Menschen geben mir ein gutes Gefühl und es herrschen sehr gute sportliche Bedingungen (überlegt). Ich glaube es ist ein guter Ort für mich, um wieder richtig Spass zu haben am Fussball. Hier habe ich als Fussballer die Chance wieder so gut zu sein, wie ich sein kann und dann kann ich dem SC Kriens auch weiterhelfen. Das ist mein Ziel.  

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